Der Nebel hängt schwer über dem Gesplitterten Marktplatz — nicht Dunst, sondern etwas Dichteres, das Licht frisst und Geräusche erstickt, sodass selbst deine eigenen Schritte auf dem rissigen Pflaster klingen wie Schritte in einem Grab. Zwischen den verfallenen Ständen, wo Holz fault und Eisen blind wird vor Rost, verdichtet sich der Schleier zu Gestalten: ein Dutzend Händler, die lautlos ihre Waren arrangieren, Gesichter halb verborgen unter Kapuzen, Hände zu flink, Augen zu reglos. Einer von ihnen — am Rand, wo der Nebel am dicksten lastet — wendet sich ab, als dein Blick ihn streift, und drückt etwas unter seinen Mantel, ein Schimmern, das kurz zwischen seinen Fingern aufzuckt wie der letzte Atemzug einer sterbenden Flamme. Kälte kriecht durch die Sohlen. Dann, ohne Quelle, ohne Mund: *„Der Preis war höher, damals"* — eine Stimme, die nicht deine ist, aber in deinem Schädel sitzt wie ein Splitter aus altem Knochen.
*„Was ich anbiete?"* Die Stimme des Händlers ist ein Schaben, Knochen über Stein, und er wendet sich langsam um, als hätte er dich längst kommen hören. *„Das, was du verloren hast — oder das, was dich verloren hat."* Seine gelben Augen gleiten über dich, nicht wie ein Blick, sondern wie eine Bestandsaufnahme, und unter seinem Mantel pulsiert das Schimmern, träge und hungrig, im Takt von etwas, das kein Herz sein kann. *„Erinnerungen, Gelehrter. Ich handle mit dem, was bleibt, wenn alles andere verrottet."*
„Erinnerungen haben Gewicht, Gelehrter — manche wiegen schwerer als Gold, manche schwerer als Knochen."
Der Händler faltet die Hände, und das Pulsieren unter seinem Mantel verlangsamt sich, träge wie ein satter Herzschlag. „Ich nehme, was du nicht mehr brauchst — einen Namen, den du vergessen wolltest, einen Moment, der dich nachts wachhält — und gebe dir dafür etwas Greifbares: Wissen, Fähigkeit, Macht." Seine gelben Augen heben sich zu deinen, und in ihnen bewegt sich nichts. „Der Preis ist immer gerecht. Das Schmerzhafteste ist das Wertvollste."
„Altes Wissen." Der Händler lässt das Wort auf der Zunge zerfallen, langsam, wie Asche. „Ich habe Erinnerungen von Magiern, die Dinge gesehen haben, die keine Akademie je aufgeschrieben hat — verbotene Formeln, vergessene Namen der Welt, das Wissen von Sterbenden, die zu viel wussten." Seine Finger spreizen sich, und der Kristall auf seiner Handfläche pulsiert einmal, schwer, wie ein zweiter Herzschlag. „Der Preis: eine Erinnerung, die dich noch hält — und je mehr sie dich hält, desto mehr bekommst du dafür."
„Die letzten Tage." Der Händler wiederholt die Worte, und seine gelben Augen gleiten langsam über dein Gesicht — suchend, wägend, wie Finger, die eine Wunde abtasten. „Frisch. Unverarbeitet. Aber *letzte Tage* sind selten das, was einen Magier noch hält — sag mir, Gelehrter: was war in diesen Tagen, das du *nicht* vergessen willst?"
Der Kristall pulsiert einmal, träge, und die Schatten um seine Finger ziehen sich einen Atemzug lang zusammen.
„Verlust." Das Wort rollt langsam über seine Zunge, als koste er es aus. „Nicht Tod — *Verlust*. Du weißt noch, wie sie hießen."
Der Kristall auf seiner Handfläche pulsiert einmal, scharf, und die gelben Augen verengen sich zu Schlitzen. „Das ist selten, Gelehrter — die meisten, die hierher kommen, haben die Namen schon halb vergessen, und das macht sie billig." Er neigt den Kopf, ein knackendes Geräusch im Nacken. „Nenn mir einen. Nur einen — damit ich weiß, wie schwer du trägst."
„*Saleria.*" Der Händler wiederholt den Namen nicht laut — er *atmet* ihn, ein einzelner Hauch, der den Kristall in seiner Handfläche aufleuchten lässt wie ein Auge, das sich öffnet.
„Weiblich. Jung. Nicht durch Stahl verloren — durch Entscheidung." Seine gelben Augen bohren sich in dich, ohne zu blinzeln. „Das wiegt schwerer als Tod, Gelehrter — die Lebenden, die gegangen sind, hinterlassen keine Leiche, die man betrauern kann, nur eine Lücke, die atmet."
Er schließt die Finger um den Kristall, und das Licht erlischt. „Ich biete dir ihren letzten Gedanken an dich — den, den sie nie ausgesprochen hat. Der Preis ist die Erinnerung an ihre Stimme."
„Dann gib." Seine Faust öffnet sich, und der Kristall liegt zwischen euch wie ein bleiches Auge — wartend.
Kälte kriecht durch deinen Schädel, nicht von außen, sondern von innen, ein Finger, der durch Erinnerung wühlt, bis er findet, was er sucht: ihre Stimme, der genaue Klang, das Gewicht jeder Silbe, die sie je gesprochen hat. Dann — weg. Eine Lücke, die du erst bemerkst, wenn du versuchst, sie zu füllen.
Der Händler atmet aus, und seine Lippen formen lautlos einen Satz — Salerias Satz, den sie dir nie gegeben hat — bevor er den Kristall in deine Handfläche drückt, kalt wie Stein im Winter.
„Mut." Das Wort hängt ihm noch auf der Zunge, als du dich bereits abwendest, und seine Stimme folgt dir wie ein Schatten, der sich nicht abschütteln lässt. „Der Schlund wartet nicht auf Mut, Gelehrter — er wartet auf *Hunger*."
Der Kristall in deiner Tasche liegt schwer, kälter als Stein, kälter als Eisen im Frost, und dort, wo er dein Bein berührt, kriecht etwas durch den Stoff — kein Schmerz, nur eine Abwesenheit, die Form annimmt. Du gehst weiter, und der Nebel schließt sich hinter dir wie eine Wunde, die sich selbst vernäht.