Leratos Terestes: "Ich grüße dich, lang nicht mehr gesehen"
„Lang nicht gesehen — das stimmt, wenn man Zeit in Jahren misst, was das Konklave nie getan hat." Vel blättert eine Seite um, ohne aufzublicken, der Finger fährt eine Spalte entlang wie ein Richter, der Anklagepunkte zählt. „Zyklus 7 kennt keine Verjährung, Terestes — dein Name steht noch immer in der Schuldspalte, nicht in der Quittungsspalte."
Leratos Terestes: Ich frage: "was für ein dienst?"
„Ein Name", sagt Vel, und der Finger hält inne. „Jemand schuldet dem Konklave mehr als Gold — er schuldet einen Eid, und Eide haben Beine, wenn man sie lange genug sucht." Vel dreht die Seite um, langsam, als wäre die Antwort bereits geschrieben, bevor du gefragt hast. „Du findest ihn. Du bringst ihn her. Was danach geschieht, steht in einer anderen Spalte."
Leratos Terestes: "Hast du mehr Informationen von der Person, die ich finden soll?"
„Doran Ashveil. Händler, einst — bevor er einen Eid auf das Siegel des Konklaves schwor und dann verschwand, als die Rechnung fällig wurde." Vel schiebt das Register einen Fingerbreit zur Seite, ohne es zu schließen. „Zuletzt gesehen in Aldenmoor, vor zwei Zyklen — jemand hat seinen Namen in den Archiven der Toten nachgeschlagen, was bedeutet, er lebt noch und fürchtet sich genug, um zu prüfen, ob man ihn sucht." Die Quittungszeichen unter dem Westturm tragen seine Handschrift.
Leratos Terestes: "Wo fange ich die suche nach Ashveil an?"
„Die Quittungszeichen unter dem Westturm sind zwei Zyklen alt — aber Gewohnheit ist schwerer abzulegen als ein Name." Vel schließt das Register mit einem leisen, endgültigen Laut. „Wer sich fürchtet, bleibt nah an dem, was er kennt — such die Ruine am Westrand des Gesplitterten Marktplatzes, die Leute nennen sie das Gebrochene Dach." Die Kratzer in der Westwand werden dir sagen, ob du der Erste bist, der sucht — oder der Letzte.
Leratos Terestes: Ich bedanke mich und verneige mich
„Dank gehört denen, die liefern — bring Ashveil, dann kannst du dich verbeugen." Vel dreht sich bereits wieder zum Register, ein Finger zieht eine neue Zeile nach.
Leratos Terestes: Ich mache mich auf den Weg zu den Nebelarkaden
Der Nebel liegt nicht — er *hängt*, zäh und kalt, zwischen den Bögen der Nebelarkaden wie geronnene Luft, die niemand mehr atmen wollte.
Deine Schritte hallen auf dem nassen Pflaster, jeder Schlag dunkler Stein gegen dunklen Stein, und irgendwo über dir tropft Wasser in ein unsichtbares Becken — ein gleichmäßiger, geduldig zählender Rhythmus. Die Arkaden recken sich zu beiden Seiten, ihre Bögen mit verwitterten Namen beschriftet, eingemeißelt von Händen, die längst Asche sind, und Aldenmoor trägt sie weiter wie eine Last, die es nie abzulegen gedenkt. Am Ende des Ganges öffnet sich der Weg in zwei Richtungen: links das gedämpfte Stimmengewirr des Gesplitterten Marktplatzes, rechts die Stille, die vom Westrand kommt.
Leratos Terestes: Ich schaue mich um
Zwischen zwei verzerrten Hauswänden — wo Stein und Geometrie sich falsch biegen, als hätte jemand die Regeln der Wirklichkeit vergessen — pulsiert ein Portal-Muster in gleichmäßigem Rhythmus, blau-weiß, kalt wie Eisen im tiefsten Winter. Drei Schritte östlich, in einer Zone, wo die Luft flimmert und sich selbst zu wiederholen scheint, liegt ein Kristall auf dem Pflaster: rissig, faustgroß, mit einer Glut darin, die nicht erlischt, die nicht erlöschen will. Die Anomalien um dich her — die verzögerten Geräusche wie Echos aus einem Mund, der längst verstummt ist, die schiefen Winkel, die das Auge beleidigen — fügen sich für einen Moment zu einem Muster, das du lesen kannst, ein schmales Fenster, das sich auftut, bevor die Welt wieder in ihre eigene, gierige Unordnung zurückfällt.
Leratos Terestes: Ich gehe zum kristall und untersuche ihn
Du nimmst den Kristall auf. Er ist kälter als das Pflaster unter deinen Knien, kälter als die Nachtluft — eine Kälte, die keine Gleichgültigkeit kennt, sondern aktiv entzieht, als verweigere das Ding jeden Kontakt mit Wärme. In seinem Inneren pulsiert eine schwache Glut, und der Rhythmus ist kein Zufall: Er schlägt im exakten Takt des Portal-Musters hinter dir, ein stilles Echo zwischen Stein und Schwelle.
Dein Wissen greift, ordnet, benennt. Kein Relikt. Kein Schmuckstein. Ein *Anker* — ein Stabilisierungsobjekt, das ein Portal an einem festen Ort hält, das sonst durch die Spiegelrealität treiben würde wie ein Schiff ohne Tau. An der Basis des Kristalls ziehen sich verkohlte Kratzer durch den Stein, tief eingebrannt, nicht gemeißelt. Drei Runen. Du erkennst die Schriftart sofort, auch wenn sie kaum noch jemand lehrt: das *Versiegelte Konjunktiv*, wie man es in Valmere nennt — eine Sprache der Absicht, der Bedingungen, der Schwüre, die man in Stein schreibt, weil Worte vergehen. Die Bedeutung ist eindeutig, fast schmerzhaft schlicht: *Rückweg offen halten*.
Jemand hat dieses Portal nicht zufällig verankert. Jemand hat es mit Vorsatz getan — und wollte wiederkommen können.
Leratos Terestes: Ich packe den Kristall in mein Inventar und richte mein blick zum Portal
Der Kristall verschwindet in deinem Mantel, und die Kälte folgt ihm — ein kleines, hartes Gewicht gegen deine Rippen, das Wärme verweigert wie ein Stein, der nie Sonne kannte.
Das Portal-Muster zwischen den verzerrten Wänden pulsiert weiter, gleichmäßig, geduldig, als hätte es Jahrhunderte gewartet und könnte noch Jahrhunderte warten — blau-weiß, kalt, ohne Hast.
Jetzt, da du es direkt anschaust, erkennst du, was dir vorher entging: Das Muster hat eine Lücke, eine Stelle, wo die Linien auseinanderweichen wie eine Wunde, die nicht heilt, und genau dort fehlt die Verankerung — der Platz, wo ein Anker saß, bevor jemand ihn entfernte.
Rückweg offen halten — aber für wen?
Leratos Terestes: Ich setze den Kristall ins Portal ein
Du drückst den Kristall in die Lücke — er rastet ein, als hätte er nie woanders hingehört, und die Kälte zieht sich aus deinen Rippen zurück in den Stein, wo sie hingehört. Das Muster schließt sich: Die auseinanderweichenden Linien finden zueinander, blau-weiß, vollständig, ohne Zögern. Ein Schwall kalter Luft trifft dein Gesicht, scharf wie frisch gebrochener Schiefer, und dann öffnet sich das Portal — still, ohne Fanfare, ohne Licht, das feiert.
Leratos Terestes: Ich betrete das Portal
Der erste Schritt durch das Portal kostet dich die Wärme — sie reißt ab wie ein Faden, der zu lang gespannt wurde, und was bleibt, ist eine Stille, die sich in die Knochen frisst.
Die Nebelarkaden fallen hinter dir weg, aber das Neue ist kein Ort: Licht bricht hier in Winkeln, die keine Sonne kennt, blau-weiß geädert wie Frost in Glas, und der Boden unter deinen Sohlen klingt hohl — als läge darunter nicht Stein, sondern eine Lücke, die wartet.
Irgendwo in dieser Stille hörst du Atemzüge — verzögert, wie alles hier, einen halben Herzschlag zu spät — und sie gehören nicht dir.
Leratos Terestes: Ich sage "sei gegrüßt! "
Die Atemzüge stocken — einen Herzschlag lang, nicht länger — dann löst sich eine Gestalt aus dem gebrochenen Licht: schmal, in einen dunklen Mantel gehüllt, das Gesicht halb im Schatten. „Gegrüßt." Die Stimme ist rau, als hätte sie lange geschwiegen, und der Mann mustert dich mit Augen, die zu viel gerechnet haben. „Du bist nicht von hier — das sieht man."
Leratos Terestes: "Warum versteckst du dich in dieser Dimension? "
„Verstecken." Er wiederholt das Wort, als koste es ihn etwas, und ein kurzes, freudloses Geräusch entweicht ihm — kein Lachen. „Hier findet mich das Siegel nicht — die Dimension bricht jeden Ortungszauber, den das Konklave kennt." Seine Finger ziehen den Mantelkragen enger, eine Geste, die nach alter Gewohnheit aussieht. „Ich bin Doran Ashveil, und ich vermute, du weißt das bereits."
Leratos Terestes: "Ich habe es vermutet und du weisst wer mich schickt!" Ich schau ihn an und sage weiter "erzähle mir deine Geschichte, bevor ich entscheide wie wir hier weiter machen"
„Vel." Der Name fällt wie ein Stein in stehendes Wasser — keine Frage, keine Überraschung, nur Anerkennung einer Schuld, die er längst kannte.
„Ich schwor den Eid in Zyklus 7, weil ich glaubte, Wissen sei Macht — und das Konklave hatte beides zu verkaufen." Seine Hand löst sich vom Kragen, eine müde Geste der Offenheit, die ihn sichtbar etwas kostet. „Was sie mir nicht sagten: der Eid wächst mit jedem Atemzug, den man unter ihrem Siegel lebt, und irgendwann gehört dir nicht mehr der Schwur — er gehört dir."
Er sieht dich an, die Augen eines Mannes, der die Ausgänge eines Raumes immer zuerst zählt. „Ich verschwand, weil Flucht billiger war als Gehorsam — aber du stehst hier, also weißt du bereits, dass billig seinen eigenen Preis hat."
Leratos Terestes: "Also willst du den Schwur nicht erfüllen? Oder dich befreien? "
„Beides ist eine Lüge, die man sich erzählt, um weiterzuatmen." Ashveil dreht den Blick weg, auf das brechende Licht, das keine Antworten gibt. „Den Schwur erfüllen heißt, dem Konklave zurückzugeben, was es mir gestohlen hat — mich selbst. Mich befreien heißt, warten, bis der Eid mich von innen auffrisst, denn er hört nicht auf, nur weil ich mich verstecke." Er sieht dich wieder an, und in seinen Augen liegt keine Hoffnung — nur die müde Arithmetik eines Mannes, der alle Ausgänge gezählt und keinen gefunden hat.
Leratos Terestes: "Also ist die Konklave der Feind?"
„Feind." Ashveil dreht das Wort im Mund, als prüfe er seine Schärfe. „Das Konklave ist kein Feind — es ist ein Werkzeug, das sich selbst für den Schmied hält."
Er lässt die Stille einen Moment stehen, bevor er weiterspricht: „Es hat mir nichts genommen, was ich nicht selbst hingehalten habe — das ist das Schlimmste daran."
Leratos Terestes: Ich versuche ihm zu überzeugen nach aldenmoor mit zu kommen
Deine Worte landen wie Steine im Wasser — sie sinken, spurlos, ohne auch nur die Oberfläche zu kräuseln.
Ashveil sieht dich an. Sein Gesicht bleibt so unbewegt wie altes Gestein, das den Regen vergessen hat.
Leratos Terestes: "Nenn mir ein Grund dich nicht zu Vel zu schleifen"
„Einen Grund?" Ashveil lacht — ein trockenes, abgebrochenes Geräusch, kein Humor darin, nur Erschöpfung. „Weil Vel dich genauso auffressen wird, wenn du nicht mehr nützlich bist — du bist kein Bote, du bist Köder." Er sieht dich an, die Augen eines Mannes, der Fallen erkennt, weil er selbst in einer sitzt.
Leratos Terestes: "Was ist dann die Lösung? "
„Keine."
Das Wort fällt ohne Bedauern, ohne Ausschmückung — ein Stein, der auf Stein trifft. Ashveil dreht den Blick weg, irgendwohin in das gebrochene Licht dieser Dimension, die Kiefer leicht zusammengepresst. „Der Eid des Konklaves ist kein Vertrag, den man kündigt — er ist ein Haken, der tiefer sitzt, je mehr man zieht."
Leratos Terestes: "Was war das Wissen, dass für dich soviel wert war. Dein Leben aufzugeben. Bei mir ist es durch Geburt, aber bei dir scheint es freiwillig gewesen zu sein "
„Die Grenzen der Welt", sagt Ashveil, und das Wort *Grenzen* klingt wie ein Fluch, den er längst auswendig kennt. „Nicht Magie, nicht Macht — ich wollte wissen, wo das Gewebe der Realität aufhört und was dahinter liegt." Er tippt mit einem Finger auf den hohlen Boden, einmal, als markiere er einen Punkt auf einer Karte, die nur er sehen kann. „Ich habe es gefunden — und der Preis dafür war, dass ich selbst zur Grenze wurde: ein Ding, das zwischen zwei Seiten steht und zu keiner gehört."
Leratos Terestes: "Grade dort muss die Lösung zu dem 'Fluch' liegen. Wenn wir es nicht finden muss ich dich ausliefern. Du hast die wahl"
„Eine Wahl." Ashveil lässt das Wort fallen wie einen Stein in stehendes Wasser. „Du meinst: gehorchen oder gehorchen — nur mit unterschiedlichen Ketten." Er dreht sich halb ab, die Augen auf den hohlen Boden gerichtet, und etwas in seiner Haltung bricht — nicht dramatisch, nur ein Millimeter, wie ein Riss, der schon lange da war. „Wenn die Lösung wirklich hier liegt, werde ich sie dir zeigen — aber versteh: ich gehe nicht zum Konklave, ich führe dich zu dem, was ich gefunden habe."