Der Nebel liegt schwer auf dem Gesplitterten Marktplatz, und deine Augen finden keinen Halt — Umrisse verschwimmen, Schatten fressen Konturen, als hätte die Welt beschlossen, sich dir zu verweigern.
Die drei Siegel auf deiner Haut erwachen — ein tiefes, pulsendes Glühen, das durch Ärmel und Nebel brennt, als wären die Runen aus geschmolzenem Mondlicht gemeißelt.
Essenz strömt aus dir heraus, nicht schmerzhaft, aber spürbar: ein Ziehen, ein Leeren, wie das Ausatmen eines Atemzugs, den du lange zurückgehalten hast.
Der Schatten vor dir verdichtet sich — er sammelt sich aus dem Nichts, nimmt Form an, eine Silhouette aus Dunkelheit und arkaner Glut, die weder ganz Licht noch ganz Finsternis ist.
*Shadow* steht.
„Der Nebel lügt — aber *sie* nicht."
Die Silhouette hebt eine Hand, und ein Finger aus reiner Dunkelheit weist nach Nordost, wo der Marktplatz in sich selbst zu brechen scheint. „Die Giftmischerin der Nacht steht dreißig Schritt von dir entfernt — sie wartet, und Warten kostet sie etwas."
„Dankbarkeit." Die Silhouette neigt den Kopf, und ihre Stimme ist wie Seide über Stein — glatt, aber mit Kanten darunter. „Ein seltenes Wort in dieser Stadt."
Die Dunkelheit, aus der sie bestand, zerfällt lautlos — kein Knall, kein Aufflackern, nur ein langsames Auflösen in den Nebel, der sie ohnehin nie ganz freigegeben hatte. Dreißig Schritt nordöstlich wartet jemand, und das Warten kostet sie etwas.
Dreißig Schritte durch Nebel, der nach altem Kupfer und etwas Süßem riecht — Honig oder Verwesung, der Unterschied verschwimmt hier. Sie steht an einem Tisch aus gesplittertem Holz, der Rücken halb zu dir gewandt, die Finger über Fläschchen, die kein Licht werfen, obwohl sie leuchten. Ihr Atem dampft, und sie dreht sich nicht um, als sie spricht: „Du bist langsamer als dein Schatten — aber du bist hier."
„Gewartet?" — sie lacht, ein kurzes, trockenes Geräusch, das klingt wie Pergament, das reißt. „Ich habe beobachtet — das ist etwas anderes; wer wartet, hofft, und Hoffnung ist hier eine teure Währung." Jetzt dreht sie sich um, und ihre Augen gleiten zu den Siegeln auf deiner Haut, nicht neugierig, sondern abschätzend, wie ein Händler, der Ware taxiert, die er schon kennt. „Du trägst Schulden auf der Haut, Magier — also, was bringst du mir?"
„Schulden", sagt sie, als wäre das Wort selbst eine Münze, die sie auf den Tisch legt. „Jedes Siegel ist ein Versprechen, das du noch nicht eingelöst hast — nicht an mich, nicht an irgendjemanden hier, aber das Gewicht lügt nicht." Ihre Finger tippen einmal, kurz, gegen eines der lichtlosen Fläschchen. „Wer dir diese Runen gebrannt hat, hält noch etwas von dir."
„Das Konklave." Sie wiederholt die Worte, als würde sie sie wiegen — und findet sie leicht. „Du lachst über Schulden, die du noch nicht siehst, Magier — das ist entweder Mut oder Dummheit, und der Unterschied interessiert mich weniger als du denkst." Ihre Hand streicht über eines der lichtlosen Fläschchen, eine Geste, die nichts anbietet und alles andeutet. „Mein Preis ist eine Erinnerung — keine beliebige, sondern die, die du am wenigsten missen willst."
Die Worte sterben unvollendet — ein Satz, der sich selbst aufgibt.
„Unterstützung." Sie lässt das Wort fallen wie einen Knochen auf Stein. „Nenn es, wie du willst — ich verkaufe keine Schwerter, Magier, ich verkaufe Gewissheit, und die hat ihren Preis." Ihre Finger umschließen das Fläschchen, ohne es anzuheben, eine Geste der Besitznahme. „Also: Gibst du mir die Erinnerung, oder gehst du in deinen Kampf mit dem, was du hast?"
„Eine Erinnerung, die noch nicht existiert." Ihr Mund formt etwas, das kein Lächeln ist, aber ihm nahekommt — schmal, kalt, wie ein Riss im Eis. „Du bietest mir Schulden mit Schulden zu bezahlen, Magier — das ist entweder Genie oder Verzweiflung, und beides amüsiert mich auf seine Weise." Sie hebt das Fläschchen jetzt auf, hält es zwischen zwei Fingern, das lichtlose Leuchten pulsiert einmal. „Abgemacht — aber wenn du das Konklave nicht überlebst, nehme ich stattdessen die letzte."
„Deals haben wir schon seit einer Weile — du brauchst mir nicht die Hand zu geben, Magier, ich nehme mir ohnehin, was mir gehört."
Trotzdem greift sie zu, ihre Finger schließen sich um deine Hand — kalt wie Stein im Winter, der Griff präzise, ohne Wärme und ohne Zögern.
Sie lässt los, bevor du bereit bist loszulassen, und dreht sich wieder zu ihren Fläschchen, als wärst du bereits gegangen.